Eros und Religion – Zitat von Walter Schubart

Im Anfang war die Ganzheit.
Sich selbst genügend ruhte Gott
in der geschlossenen Fülle seines absoluten Seins, –
bis sich aus freiem Wille die Weltseele von ihm schied.
….
Mit dem Menschen beginnt die Urtragödie der Vereinzelung.
Aller Schmerz ist Trennungsschmerz.
Alle Sehnsucht Sehnsucht des Teils nach dem Ganzen,

Wenn es die Geschlechterbeziehung ergreift,
wird der erlösende Eros geboren.

Wenn sich zwei Liebende finden,
so schließt sich an einer Stelle des Kosmos die Wunde der Vereinzelung. –

Der Eros zwingt uns in die Nähe eines Fremden,
in eigenen Gesetzen kreisenden Wesens.
Er legt uns diese Eigenwelt in liebereicher Nacht an die Seite. Wir spüren den Atem und das Lächeln des Fremden.
Die ganze außerpersönliche Welt hat Gestalt gewonnen und ist in der Person der Geliebten umarmbar geworden.
Nicht nur ein Mensch liegt neben uns,
ein vergänglicher, sinnengetriebener Körper,
sondern in ihm schlummert das Gleichnis der Ewigkeit.

In den Küssen der Geliebten brennt das himmlische Feuer,
das in uns den Willen zur großen Verwandlung entfacht,
den Willen, aus der Enge der Person hinaus ins Freie zu kommen.

Aus: Walter Schubart, Eros und Religion

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