Liebeskunst – Intimität und Klarheit in Beziehungen

von Dolores Richter                                                                                                          
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jg-16-12-kopieOb unsere Beziehungen, Freundschaften und Gemeinschaften gelingen, hängt von vielen Aspekten ab. Einer ist zum Beispiel, ob wir zu uns selbst – und wie wir in der Welt stehen. Sind wir zentriert, wahrnehmend und berührbar? Können wir unsere Fähigkeiten in sinnvollen Engagements entfalten? – Menschen, die dies mit Ja beantworten können, haben meist eine gute Ausgangsbasis für die Liebe.

Es kann aber auch sein, dass wir bei aller Zufriedenheit mit uns und unserem Beruf genau dann, wenn es um Kontakt und Beziehung geht, in unser persönliches „Niemandsland“ geraten, wo wir uns nicht auskennen und hilflos unseren Gefühlen gegenüber stehen. Und noch hilfloser gegenüber einem Menschen, der uns lieben möchte. Der aber „anders“ ist, anders tickt, anders fühlt, anders denkt..

Wir unterliegen, vor allem in unserer westlichen Kultur, dem Glauben, Liebe hätte damit zu tun, ob man gut zueinander passt. Natürlich funktionieren Beziehungen leichter, wenn die Beteiligten ähnliche Interessen, Werte oder Lebensstile haben. Eine Beziehung hat wenig Sinn, wenn in ihr nicht etwas Wesentliches geteilt wird. Aber so vieles sich auch ähnelt, es wird immer auch Unterschiede geben, und diese kreativ in die Beziehungsgestaltung einzubeziehen, ist die eigentliche Kür.

Viele von uns stecken auch nach langen Beziehungsjahren im Bereich der Liebe noch in der erwartungsvollen Stufe, die wir aus der Verliebtheit kennen.
In der Verliebtheit scheint alles wie von selbst zu gehen, und wir denken, das sei Liebe. Dabei helfen Projektionen und Hormone mit, uns den Anschein zu geben, der andere würde perfekt zu uns passen. Dabei haben wir ihn noch nicht in seinem ganzen Wesen kennen gelernt. Wenn das geschieht, lernen wir auch die Unterschiede kennen, und damit auch das, was uns „trennt“. Kindlich Liebende steigen an dieser Stelle aus, oder sie werden unzufrieden. Was ihnen da entgeht, ist der Beginn des Liebens. Die reifere Stufe der Liebe beginnt gerade da, wo ich den anderen sehen kann als den, der er ist, oder die sie ist. In ihrem – wenn auch schmerzlichen Anderssein, und vor allem Anders–als–ich–sie–gerne-hätte. Je tiefer und wesentlicher ich den anderen wahrnehmen kann, umso mehr geschieht Liebe. Diese Art der Wahrnehmung setzt voraus, dass ich den anderen auch unabhängig von meinen Wünschen, Bedürfnissen und Befürchtungen sehen und hören, ja WAHR-NEHMEN kann.  

Fotos 14 Daniela Singh (42)

Hört sich klar an, und ist definitiv das entgegengesetzte Ende dessen, was fast überall geschieht. Wir sprechen hier über das Kernproblem von Beziehungen: dieser merkwürdige Moment, wo zwei Menschen, die sich eben noch innig zugewandt waren, zu Wetteiferern der eigenen Selbstgerechtigkeit mutiert sind. Und viel mehr noch: wir kommen aufgrund der verschobenen Perspektive nicht auf den Gedanken, dass es auch mit uns und unserem Liebesbild zu tun haben könnte, dass es wieder und wieder zu denselben Abläufen in Beziehungen kommt.

Um den Moment zu erkennen, sollten wir wissen, dass er kommt, und dass hier nicht kämpfen, sondern respektvolles Lauschen gefragt ist. In gewisser Weise treten die reiferen Liebenden an dieser Stelle ein Stück zurück, um nochmal neu zu schauen, wer der andere ist. Sie treten zurück, denn die wonnige Nähe der Verliebtheit gibt uns nicht genug Raum, um zu sehen. Und in dem Akt, wo wir diesen Abstand zwischen uns zulassen, gewinnen wir auch den Raum, neue Entscheidungen in uns zu finden: wer bin ich jetzt in dieser Beziehung? Wie kann ich diesen Menschen, der auch Anteile hat, die mir fremd oder gar unangenehm sind, dennoch als ganzen Menschen lieben? Wie kann ich mein Herz öffnen, auch dazu ja zu sagen, auch wenn es noch viel zu sagen gibt? Wie halte ich die Spannung in der Verschiedenheit? Wie bleibe ich gleichzeitig der Schönheit treu, die uns verbindet? Und nicht zuletzt: Wie bauen wir eine Beziehung so auf, dass sie uns gegenseitig unser Menschsein erkennen lässt, uns unterstützend auf dem Weg in unser Potential und unsere Wahrhaftigkeit?

Wenn wir uns gesehen fühlen, werden Vorwürfe und Streitigkeiten deutlich seltener. Der Kampf um Terraingewinn und Rechthaben ist vorbei. Wir erfahren, wie erfüllend es ist, gehört zu werden, selbst wenn die Standpunkte sich nicht sofort annähern.
Wenn sich die Wahrnehmung nicht nur auf Bedürfnisse oder Standpunkte bezieht, sondern auch auf unser spirituelles und sexuelles  Wesen, werden Beziehungen und Begegnungen deutlich respektvoller und wahrhaftiger. Und das macht sie freudig und lebendig und öffnet ihre Liebe auch über den Partner hinaus.
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Das Liebeskunstwerk trägt Erfahrungen und Wissensschätze zusammen mit der Absicht, die Momente tiefer Aufmerksamkeit zu vermehren. Wir pflegen unser erotisches Selbst, nährende Beziehungskommunikation, Inspiration für Wollust und Zärtlichkeit und Erkenntnisse im kollektiven Feld. Wir nutzen die Weisheit der Gruppe, die unsere Präsenz deutlich erleichtert, auch weil sie außerhalb des Alltags stattfindet. Gemeinsam gehen wir einen Weg, auf dem wir intimer mit uns selbst werden. Und auf dem wir schauen und neu entscheiden, in welcher Weise wir Liebe, Kommunikation, Vertrauen, Sexualität, Eros und Spirit in unser Leben und unsere Beziehungen einladen wollen.
Da dies nicht in einem einzelnen Seminar umsetzbar ist, bieten wir dafür ein Jahrestraining, das von vielen auch mehrmals besucht wird. Das vierte Modul ist jeweils auch als das jährliche Netzwerktreffen für frühere Teilnehmer*innen.

„Es braucht ein ganzes Dorf für glückliche Beziehungen.“

Jahrestraining „Liebeskunstwerk“ mit Dolores Richter und Kolja Güldenberg,
Beginn: 16.März 2017,  Frühbucherpreis bis 1. Februar  www.doloresrichter.com
Anmeldung

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